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Vier Fragen zur neuen Leitlinie für planbare Eingriffe während der SARS-CoV-2-Pandemie

By Surgical Tribune
November 06, 2020

Momentan werden jene Operationen nachgeholt, die im ersten Halbjahr von 2020 aufgrund des Ausbruchs der SARS-CoV-2-Pandemie nicht durchgeführt werden konnten. Um das Infektionsrisiko für das medizinische Personal sowie Patientinnen und Patienten während operativer Eingriffe einzudämmen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine Leitlinie entworfen. Diese wird am 19. November in einem Webinar von Prof. Dr. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig, vorgestellt.

Prof. Dietz, die AWMF hat eine Leitlinie für planbare Eingriffe während der SARS-CoV-2-Pandemie veröffentlicht. Können Sie diese bitte kurz vorstellen?
Die Leitlinie war die erste, die von der AWMF publiziert wurde. Sie richtet sich an alle operativen Fächer und hat den Hintergrund, die Teststrategie auf stationäre und ambulante elektive operative Patienten auszudehnen. Als sehr gelungen möchte ich vermerken, dass unmittelbar nach der Veröffentlichung unserer ersten AWMF-Leitlinie, die Testfinanzierung asymptomatischer Patienten vor Elektiveingriffen (ambulant und stationär) in der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus vom 8. Juni geregelt wurde. Die ungeregelte Finanzierung war der größte Kritikpunkt an unserer medizinisch gebotenen Empfehlung. Die Leitlinie wurde federführend von der Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie vertreten durch mich zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie  vertreten durch Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Meyer initiiert und moderiert. Unterstützt wird die Leitlinie von 14 Fachgesellschaften.

Prof. Dr. Andreas Dietz. (Bild: BDC)

Auf welche Sicherheitskonzepte für Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal werden sie konkret eingehen?
Wir empfehlen, in Abhängigkeit der regionalen epidemiologischen Situation, für alle Patienten ohne mögliche COVID-19 assoziierte Symptome vor einem elektiven bzw. auch kurzfristig planbaren ambulanten und stationären Eingriff die Durchführung einer präoperativen PCR-Abstrichtestung. Alle weiteren Hygienemaßnahmen, wie Abstand halten sowie das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA), sind zu berücksichtigen.

Ist die Leitlinie auch ein Versuch, die Verschiebung weiterer elektive Operationen zu verhindern?
Auf jeden Fall soll sie helfen, zum einen die Krankenhäuser und ambulant operativen Einrichtungen zu schützen und zum anderen COVID-19-assoziierte Risiken bei Elektiveingriffen möglichst gering zu halten. Bei der jetzt wieder aufschießenden Corona-Welle ist zu hoffen, dass auch diese Leitlinie hilft, die Quote der zu verschiebenden Elektiveingriffe möglichst gering zu halten. Tatsächlich erleben wir aktuell aus den Erfahrungen der ersten Welle, dass die Kliniken mit deutlich geschulteren Augen die Ressourcen-Verteilung und Gewichtung titrieren. Ein Moment des kompletten Elektivverbots, wie in der ersten Welle erlebt, wird voraussichtlich in den nächsten Wochen etwas differenzierter dekliniert werden. Sollten sich jedoch wider Erwarten die Zahl der beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten exorbitant nach oben entwickeln und die Intensivkapazitäten des Landes tatsächlich ausschöpfen, wird auch ein Elektivverbot unausweichlich sein.

Die SARS-CoV-2-Situation verändert sich derzeit täglich sehr stark. Wie kann die Leitlinie aktuelle Informationen bieten, bzw. wo können sich medizinische Einrichtungen zusätzlich informieren?
Die Leitlinie gibt strukturelle Empfehlungen, die bundesweit überwiegend umgesetzt wurden. Tatsächlich sind auch die Feststellungen zum Mund-Nasen-Schutz im Rahmen der PSA unverändert gültig und sind momentan wichtiger denn je. Weitere Informationen sind über die AWMF einzusehen, wie beispielsweise eine weitere Leitlinie zum Schutz von Personal in Pflegeeinrichtungen etc. Eine sehr aktive Task-Force der AWMF hat weitere Leitlinien in Vorbereitung.

Anmerkung der Redaktion: Das etwa einstündige Webinar mit dem Titel „Interdisziplinär  abgestimmte  Empfehlungen  zum  Personal und  Patientenschutz bei Durchführung planbarer Eingriffe zur Zeit der SARS-CoV-2-Pandemie“ wird am Donnerstag, 19. November, ab 18 Uhr live im Internet übertragen. Die Anmeldung für die Fortbildungsveranstaltung ist ab sofort auf der Seite der BDC|eAkademie möglich. Teilnehmende können ihr neu gewonnenes Wissen testen und bei Erfolg ein Zertifikat ausdrucken. Dieses kann bei der zuständigen Kammer eingereicht werden, um Fortbildungspunkte zu erhalten.

 Die vollständige Leitlinie kann hier eingesehen werden.

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