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Schweiz bietet ersten Studiengang Europas zu geschlechtsspezifischer Medizin

By Universität Bern
February 03, 2020

BERN/ZÜRICH, Schweiz – Dass Krankheiten bei Mann und Frau unterschiedlich auftreten und anders verlaufen, ist zunehmend belegt. Nun wollen die Universitäten Bern und Zürich die geschlechtsspezifische Medizin voranbringen und bieten ab Mai gemeinsam einen Weiterbildungsstudiengang zu diesem Thema an. Dieser soll dazu beitragen, Geschlechterunterschiede bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen. Der Studiengang ist in dieser Form europaweit einzigartig.

In der Medizin gilt auch heute noch der Mann als Prototyp. Deshalb gelten Symptome und Verlauf von Krankheiten beim männlichen Patienten als normal, während Symptome, die eher bei Frauen beobachtet werden, als atypisch bezeichnet werden.

Kaum bekannt ist, dass Herzinfarkte bei Frauen häufig andere Symptome hervorrufen. „Dies führt dazu, dass Herzinfarkte bei Frauen oft nicht richtig eingeschätzt und erkannt werden und wertvolle Zeit vergeht, bis medizinischen Hilfe in Anspruch genommen wird“, sagte Dr. Cathérine Gebhard, Professorin für Kardiovaskuläre Gender Medizin an der Universität Zürich und Vorsitzende der Programmleitung des neuen Certificate of Advanced Studies (CAS) Sex- and Gender-Specific Medicine. Den umgekehrten Fall gebe es auch, dieser sei aber eher selten, erklärte Gebhard. Bei Krankheiten von denen häufiger Frauen betroffen sind, wie etwa der Osteoporose, sei der Mann das unter-, beziehungsweise fehlversorgte Geschlecht.

Auch bei der Wirkung von Medikamenten gibt es Unterschiede: Wirkstoffe werden im weiblichen Körper häufig langsamer abgebaut. Dennoch sind Frauen in Arzneimittelstudien nach wie vor unterrepräsentiert. Jüngst analysierte Zahlen der US-Arzneimittelbehörde FDA für die Periode 2004 bis 2013 zeigen, dass bei Frauen über 50% häufiger unerwünschte Wirkungen nach Medikamenteneinnahmen auftreten als bei Männern.

Die Präzisionsmedizin der Zukunft müsse gezielt auf die Bedürfnisse von Einzelnen eingehen, sagte Gebhard: „Ein wichtiger erster Schritt ist die Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten.“

Die Erkenntnisse zu geschlechtsspezifischen Aspekten der Medizin nehmen jedes Jahr um mehrere Tausend Fachpublikationen zu. Dennoch fließen sie nur langsam in die Behandlung von Patientinnen und Patienten ein. Die Integration in die medizinische Grundausbildung steht noch in den Anfängen. Prof. Daniel Candinas, Vizerektor Forschung der Universität Bern und Klinikdirektor der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin am Inselspital Bern, und Prof. Beatrice Beck Schimmer, Direktorin Universitäre Medizin Zürich an der Universität Zürich, haben deshalb als Schweizer Premiere gemeinsam den CAS-Weiterbildungsstudiengang in Sex- and Gender-Specific Medicine initiiert.

Ab Mai werden in insgesamt elf Modulen in- und ausländische Expertinnen und Experten den Teilnehmenden geschlechtsspezifische Aspekte in den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen sowie in der Forschung aufzeigen, die neueste Evidenz diskutieren und Forschungslücken thematisieren. Neben dem gesamten CAS können auch nur einzelne Module besucht werden. Der Weiterbildungsstudiengang richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner sowie Fachpersonen aus verwandten Bereichen, die ihre Kenntnisse der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Medizin vertiefen und ihre Arbeit am neuesten Forschungsstand ausrichten wollen. Organisatorisch wird er an der Universität Bern angesiedelt sein, aber an beiden Standorten der Universitäten Bern und Zürich werden Module angeboten.

„Beim CAS Sex- and Gender-Specific Medicine handelt es sich um einen umfassenden Studiengang, der in Europa einzigartig ist und direkt dem Wohl der Patientinnen und Patienten zugutekommen soll“, sagte Candinas. „Wir freuen uns auf diese Zusammenarbeit“, fügte Beck Schimmer hinzu.

Interessierte finden mehr Informationen zum Studiengang und zur Anmeldung in der Broschüre „CAS in geschlechtsspezifischer Medizin“.

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