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Positionspapier der DGCH zu Live-Übertragungen von Operationen und Interventionen

By Surgical Tribune
October 21, 2020

Berlin – Live-Übertragungen von Operation und Interventionen haben auf Grund der technischen Möglichkeiten inzwischen eine lange Tradition und werden auf Fachkongressen zum Zwecke der Fort‐ und Weiterbildung genutzt. Durch moderne Informationstechnologien können Operationen inzwischen weltweit ohne jegliche zeitliche Verzögerungen übertragen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat nun ein Konsensuspapier erstellt, um verbindliche Regeln für das umstrittene Thema in Deutschland zu bieten.

Der edukative Wert von Live-Übertragungen wird seit langem kontrovers diskutiert, ebenso die damit einhergehende potentielle Patientengefährdung. Daher wurden bereits in den Jahren 2007 und 2008 Positionspapiere von wissenschaftlichen Fachgesellschaften in den USA und in Japan zu diesem Thema publiziert, um durch verbindliche Regeln den Patientenbedürfnissen umfänglich Rechnung zu tragen. Dabei wurden die Aspekte der Patientensicherheit, die Anforderungen an das Format sowie Regeln für das Management von unvorhergesehenen Ereignissen und ethische Aspekte berücksichtigt.

Seit geraumer Zeit haben einige Medien wiederholt Initiativen gestartet, auch im deutschsprachigen Raum Live-Übertragungen von Operation und Interventionen im frei zugänglichen Fernsehen anzubieten.

Aus diesem Anlass ergibt sich für die wissenschaftlichen Fachgesellschaften die Notwendigkeit, auch für Deutschland ein Konsensuspapier zu erstellen, um verbindliche Regeln im Umgang mit Live-Operationen zu etablieren.

Live-Übertragungen nur unter bestimmten Bedingungen

Im Positionspapier werden der Nutzen und Risiken, bestimmte Forderungen an eventuelle Live-Übertragungen sowie eine Veröffentlichung vor einem Laienpublikum diskutiert. Generell gilt, dass jegliche Veranstaltungen ausschließlich zu Fortbildungszwecken stattfinden sollten. Es wird grundsätzlich anerkannt, dass durch Live-Übertragungen invasiver Eingriffe die Besonderheiten einer Methode bzw. Verfahrens realitätsnah dargestellt werden können. Jedoch muss auch beachtet werden, dass die Bedingungen, unter denen ein Eingriff durchgeführt wird, während Live-Übertragungen von der alltäglichen Routine abweichen. Betroffene Patientinnen und Patienten könnten dadurch potenziell einem höheren Risiko ausgesetzt sein.

Daher fordert die Fachgesellschaft, unter anderem, dass ausschließlich Patientinnen und Patienten mit einem niedrigem Riskioprofil für Live-Übertragungen ausgewählt werden dürfen. Zudem muss die Sicherheit der zu Operierenden und deren Privatsphäre gewährleistet sein.

Da Live-Übertragungen im öffentlich zugänglichen Fernsehen, inklusive Bezahlfernsehen, keinem Fortbildungszweck dienen, sind diese aus Sicht der Fachgesellschaft abzulehnen. Als Begründung wird angegeben, dass abgesehen von dem fehlenden Bildungscharakter, Marketingaspekte keine zusätzliche Patientengefährdung rechtfertigen.

Das vollständige Positionspapier kann hier abgerufen werden.

 

1 Comment

  • Rainer Moosdorf says:

    Im Rahmen von Kongressen und insbesondere Fortbildungen im Kollegenkreis sind auch Life-Übertragungen besonderer Techniken sinnvoll, dienen sie hingegen primär der “Reklame”/Publicity, so sind sehr strenge Maßstäbe anzulegen!

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