Surgical Tribune Germany

Nasennebenhöhlenentzündung: Welche Vorteile bietet eine OP?

By DGHNO-KHC
November 24, 2020

Stuttgart – Wie lässt sich die Qualität einer medizinischen Behandlung messen und beurteilen? Mit der Frage, welche Faktoren zur Beurteilung der Operationsqualität geeignet sind, setzten sich Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO-KHC) am Beispiel der chirurgischen Therapie der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung auseinander. Wie die Fachgesellschaft betont, wird dabei immer stärker auch der von Patientinnen und Patienten subjektiv empfundene Nutzen in die Bewertung einbezogen.

Die chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen ist eine häufige Erkrankung, welche auch als chronische Rhinosinusitis (CRS) bezeichnet wird. Sie geht mit einer erheblichen individuellen und ökonomischen Krankheitslast einher. Kopf- und Gesichtsschmerzen, Riechminderung, eine chronisch verstopfte Nase und Schlafprobleme schränken die Lebensqualität der Betroffenen stark ein, führen zu einer hohen Zahl von Fehltagen am Arbeitsplatz und sind einer der häufigsten Gründe für die Verschreibung von Antibiotika.
Als chronisch gilt eine Nasennebenhöhlenentzündung dann, wenn die Beschwerden mindestens zwölf Wochen lang andauern.

„Um die Entzündung zu lindern wird den Patienten in der Regel empfohlen, die Nase regelmäßig mit Kochsalzlösung zu spülen und ein cortisonhaltiges Nasenspray zu verwenden“, sagte Dr. med. Tanja Hildenbrand, Oberärztin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Teilweise kommt auch eine kurz- oder langfristige Therapie mit Antibiotika oder eine kurzfristige Therapie mit Kortikosteroiden in Betracht. „Erst wenn die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt oder Komplikationen drohen, kann eine Operation eine Behandlungsoption darstellen“, fügte sie hinzu.

Die adäquate medikamentöse Vorbehandlung, die Auswahl der Patientinnen und Patienten, denen ein chirurgischer Eingriff angeboten wird, sowie der Zeitpunkt, zu dem das geschieht, zählen – ebenso wie die korrekte Diagnose – bereits zu den Aspekten, die in die Bewertung der Behandlungsqualität einfließen. „Dabei gibt es Hinweise in Studien, dass der Operationserfolg umso größer sein kann, je früher der Eingriff vorgenommen wird“, sagte Hildenbrand. Schwerer zu vergleichen sind diejenigen Qualitätsaspekte, die die Operation selbst betreffen. Wie effektiv bestimmte Operationstechniken und -hilfsmittel sind, hängt zum einen von der Routine und den Vorlieben der Chirurginnen und Chirurgen ab. Zum anderen existieren zum Teil nur unzureichende Studien, bzw. sind qualitativ hochwertige Studien beispielsweise aus ethischen Gründen nicht möglich.

„Erst wenn die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt oder Komplikationen drohen, kann eine Operation eine Behandlungsoption darstellen“ – Dr. med. Tanja Hildenbrand, Universitätsklinikum Freiburg

Auch wenn die Nasennebenhöhlenchirurgie bei der CRS nicht immer einem einheitlichen Standard folgt, scheint doch klar zu sein, dass ein chirurgischer Eingriff Patientinnen und Patienten mit anhaltenden Beschwerden nach adäquater medikamentöser Therapie Vorteile bringt. Als wichtigen Indikator für Operationserfolg und Kosteneffizienz nennt Hildenbrand die Verbesserung der Produktivität. In einer europäischen Studie sank die Zahl der Fehltage am Arbeitsplatz von 8 bis 14 Tagen vor der Operation auf 1 bis 7 Tage nach dem Eingriff. Das reine Fortführen der medikamentösen Therapie dagegen hatte keinen Einfluss auf die Zahl der Krankheitstage.

„Die Messung und Bewertung der medizinischen Behandlungsqualität ist immer ein schwieriges Unterfangen“, sagte Prof. Dr. med. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig und Vorstandsmitglied der DGHNO-KHC. In den letzten Jahren habe sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass neben objektiven Operationseffekten auch das subjektive Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten in diese Bewertung einbezogen werden müsse.

„Bei der CRS erscheint dies umso wichtiger, als sich häufig keine Korrelation zwischen objektiven Befunden wie CT-Bildern und der subjektiv empfundenen Lebensqualität des Patienten zeigt“, sagte Dietz. Letztere sei jedoch für die Betroffenen das entscheidende Kriterium. Um die Zufriedenheit mit dem Eingriff zu erfassen, stehen mittlerweile standardisierte Fragebögen zur Verfügung, die verschiedene krankheitsbezogene und allgemeine Aspekte der Lebensqualität abfragen. Dieses einfache und wichtige Instrument werde jedoch noch immer viel zu selten genutzt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2021 - All rights reserved - Surgical Tribune International