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Herztransplantationen: Erfolgsaussichten steigen mit höheren Fallzahlen

By IQWiG
December 30, 2020

Köln – In Kliniken, in denen häufiger Herztransplantationen durchgeführt werden, stehen die Überlebenschancen für die Operierten besser. Dies ist das Ergebnis eines Berichtes des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Demnach ist bei Herztransplantationen bei Erwachsenen ein positiver Zusammenhang zwischen der Leistungsmenge und der Qualität des Behandlungsergebnisses ableitbar. In Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen versterben sowohl im direkten Zusammenhang mit dem Eingriff als auch insgesamt weniger der Transplantierten. Jedoch weisen die in die Untersuchung eingeschlossenen drei Beobachtungsstudien nur eine niedrige Aussagekraft der Ergebnisse auf.

Zu wenige Spenderorgane

Eine Herztransplantation kann medizinisch bei einer hochgradigen Herzschwäche indiziert sein, die trotz Anwendung aller anderen Behandlungsmöglichkeiten fortschreitet und das Leben der Betroffenen gefährdet, beziehungsweise deren Lebensqualität in besonderem Maße einschränkt. Nach der Transplantation ist eine lebenslange Immunsuppression zur Vermeidung eines Organverlustes durch Abstoßungsreaktionen notwendig. Die mittlere Überlebenszeit nach dem operativen Eingriff beträgt im Eurotransplant-Raum aktuell 11 Jahre.

Nach der Eurotransplant-Statistik wurden im Jahr 2018 in Deutschland insgesamt 318 Herztransplantationen durchgeführt. Der Bedarf war deutlich höher, konnte aber wegen der Knappheit an Spenderorganen nicht gedeckt werden. Für Herztransplantationen bei Erwachsenen hat der G-BA für Deutschland bislang keine verbindlichen Mindestmengen für die Leistungserbringung in Krankenhäusern festgelegt.

Positiver Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Überlebenschancen

Bei seinen weltweiten Recherchen hat das IQWiG drei Beobachtungsstudien identifiziert, die verwertbare Daten zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Leistungsmenge und Qualität des Behandlungsergebnisses bei Herztransplantationen enthalten. Alle drei Studien analysieren den Zusammenhang zwischen Menge und Qualität ausschließlich auf Ebene der Krankenhäuser und nicht auf Ebene der an der Transplantation beteiligten Ärztinnen und Ärzte.

Für die Zielgrößenkategorie „Mortalität“ liegen Daten zu zwei Zielgrößen vor. Zur „Gesamtmortalität“ und zur „intra- und perioperativen Mortalität“. Für beide Zielgrößen ist aus den Daten eine Verringerung der Zahl der Todesfälle in Kliniken mit mehr Herztransplantationen pro Jahr ableitbar.

Für die Zielgrößen „Versterben im Krankenhaus“, „Notwendigkeit einer Retransplantation“, „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ (einschließlich Aktivitäten des täglichen Lebens und Abhängigkeit von der Hilfe anderer Personen) sowie „Krankenhausaufenthaltsdauer“ enthielten die ausgewerteten Studien keine Daten. Für die Zielgröße „unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie“ lagen zwar Daten vor, daraus ließen sich aber keine statistisch signifikanten Ergebnisse ableiten.

Für die Untersuchung des Effekts konkret in die Versorgung eingeführter Mindestfallzahlen für Herztransplantationen bei Erwachsenen auf die Qualität des Behandlungsergebnisses hat das IQWiG keine aussagefähigen Studien identifizieren können.

Der vollständige Bericht des IQWiG kann hier eingesehen werden.

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