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Drei Fragen zur S3-Leitlinie „Sinus pilonidalis“

By Surgical Tribune
June 19, 2020

Dr. Andreas Ommer vom Enddarm- und Dickdarmzentrum Essen ist der Autor der S3-Leitlinie „Sinus pilonidalis“ und weiterer proktologischer Leitlinien. Zusammen mit apl. Prof. Dr. Igors Iesalnieks, leitender Oberarzt am Klinikum München Bogenhausen und apl. Prof. Dr. Dr. Dietrich Doll, Chefarzt der Klinik für Prokto-Chirurgie am St. Marienhospital Vechta wird er in einer Online-Präsentation die Neufassung der Leitlinie aus dem Jahr 2020 vorstellen. Im Vorfeld des kostenfreien Webinars, welches am 2. Juli übertragen wird, beantworte Ommer Surgical Tribune einige Fragen zum Thema.

Dr. Ommer, würden Sie bitte kurz die europäische Leitlinie für den Sinus pilonidalis vorstellen?
Die deutsche S3-Leitlinie „Sinus pilonidalis“ wurde erstmals im Jahr 2014 veröffentlicht. Sie entstand, wie die aktuelle Version, unter meiner Leitung und unter Mitarbeit von Prof. Dr. Igors Iesalnieks und Prof. Dr. Dr. Dietrich Doll. Sie richtet sich an alle konservativ und operativ tätigen Viszeralchirurgen, Gastroenterologen und Dermatologen mit dem Ziel einer optimierten, evidenzbasierten Therapie des Krankheitsbildes, das insbesondere bei jüngeren, männlichen Patienten auftritt. Es können drei Erscheinungsformen des Sinus pilonidalis differenziert werden: der blande Befund, der akut abszedierende und der chronische Sinus pilonidalis. Die häufigste Erscheinungsform ist das chronische Stadium mit intermittierenden Absonderungen.

Welche Therapie- und Operationsverfahren stehen Chirurginnen und Chirurgen heutzutage zur Verfügung?
Ein blander Sinus pilonidalis bedarf keiner Therapie. Bei der akut abszedierenden Form sollte zunächst eine Abszessentdeckelung ohne größere Exzision erfolgen. Für den chronischen Sinus stellt die Exzision derzeit die Basisbehandlung dar. Konservative Therapieoptionen mit dem Ziel einer definitiven Heilung stehen derzeit nicht zur Verfügung.

Auf der einen Seite gibt es minimalinvasive Techniken mit eingeschränkt radikaler Exzision wie die Pit-Picking-Methode, die Sinusektomie und die Lay-Open-Technik. Diese wurden in neuerer Zeit durch Verfahren mittels Laseranwendung oder Unterstützung durch Endoskopie erweitert, wobei für die beiden letzten Verfahren noch keine Langzeitergebnisse vorliegen. Auf der anderen Seite steht die mehr oder weniger radikale komplette Exzision mit offener Wundbehandlung oder primärem Verschluss durch verschiedene asymmetrische Verschiebelappenplastiken, von denen in Deutschland in erster Linie die Karydakis- und die Limberg-Plastik zur Anwendung kommen. Ein Mittellinienverschluss zur primären Wunddeckung ist mit deutlich schlechteren Ergebnissen verbunden und somit obsolet.

Die minimalinvasiven Techniken können meistens in Lokalanästhesie durchgeführt werden und haben wegen der geringen Wundgröße den Vorteil einer verminderten Belastung für den Betroffenen in Bezug auf Wundheilung und Arbeitsunfähigkeit. Laut Literatur finden sich jedoch leicht erhöhte Persistenzraten gegenüber den aufwendigeren Verfahren. Insbesondere die großflächige Exzision mit offener Wundbehandlung wird oft mit einer teils aufwendigen Wundversorgung und langer Arbeitsunfähigkeit assoziiert. Während primär steril verschlossene Wunden entsprechend versorgt werden, reicht bei offener Wundbehandlung ein regelmäßiges Ausspülen mit Leitungswasser und Abdecken mit Wundkompressen.

Welche Themen werden in der Leitlinie behandelt?
In der Leitlinie werden alle relevanten Aspekte des Krankheitsbildes, von der Ätiologie über die Diagnostik über Differentialdiagnosen bis zu den verschiedenen Operationstechniken, sowie die spezifische Nachbehandlung und Rezidivprophylaxe behandelt.

Anmerkung der Redaktion: Das etwa einstündige Webinar mit dem Titel „S3-Leitlinie ‚Sinus pilonidalis‘“ wird am Donnerstag, 2. Juli, ab 18 Uhr live im Internet übertragen. Die unkomplizierte Anmeldung für die Fortbildungsveranstaltung ist ab sofort auf der Seite des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen möglich. Im Anschluss an die Übertragung können Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr neu gewonnenes Wissen testen und bei Erfolg ein Zertifikat ausdrucken. Dieses kann bei der zuständigen Kammer eingereicht werden, um Fortbildungspunkte zu erhalten.

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