Surgical Tribune Germany

COVID-19-freie Krankenhausbereiche ermöglichen sichere Operationen

By Universität Tübingen
October 16, 2020

Tübingen – Chirurgische Eingriffe sind bei vielen Erkrankungen, etwa bei Krebs, trotz erhöhter Risiken, wie z.B. während einer weiteren Infektionswelle mit dem Coronavirus, notwendig und müssen durchgeführt werden. Eine weltweite Beobachtungsstudie hat gezeigt, dass die Einrichtung COVID-19-freier Krankenhausbereiche für chirurgische Patientinnen und Patienten bei neuen Infektionswellen Leben retten kann.

Die CovidSurg Collaborative, ein von der Universität Birmingham geleiteter internationaler Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus über 130 Ländern, der seit Beginn der Coronavirus-Pandemie zusammenarbeitet, stellte in einer Studie fest, dass Patientinnen und Patienten, die in COVID-19-freien Bereichen operiert und stationär behandelt wurden, bessere Ergebnisse aufwiesen. In Kliniken, die Coronavirus-freie Bereiche vorsahen, und somit COVID-19-Erkrankte bzw. -Verdachtsfälle strikt von chirurgisch behandelten Patientinnen und Patienten trennten, waren die Ergebnisse deutlich besser als in Kliniken ohne klare Regelungen.

Als Vorsichtsmaßnahme, damit sich Patientinnen und Patienten im Krankenhaus nicht mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, wurden während der ersten Welle der Pandemie weltweit bereits Millionen von Operationen abgesagt oder verschoben. Allerdings sind viele Eingriffe dringlich, etwa bei Krebserkrankungen, denn sie können während Verzögerungen fortschreiten und sich dadurch verschlimmern oder sogar chirurgisch nicht mehr behandelbar werden.

„Für die sichere Durchführung dringlicher Operationen bei Krebspatienten ist es wichtig die Patienten zu schützen“
Prof. Alfred Königsrainer, Universitätsklinikum Tübingen

Die Studie konnte zum ersten Mal zeigen, dass Eingriffe aufgrund eines Tumors auf der ganzen Welt weiterhin sicher durchgeführt werden können, wenn COVID-19-freie Bereiche eingerichtet werden, um das Coronavirus-bedingte Risiko zu minimieren.

Zu diesem Zweck wurden Daten von 9.171 Patientinnen und Patienten aus 55 Ländern auf fünf verschiedenen Kontinenten von Beginn der Pandemie bis Mitte April 2020 untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass bei Patientinnen und Patienten, die in COVID-19-freien Bereichen stationär behandelt wurden, sowohl pulmonale Komplikationen (2,2 Prozent vs. 4,9 Prozent) seltener vorkommen als auch die postoperative Sterblichkeitsrate (0,7 Prozent vs. 1,7 Prozent) wesentlich geringer war. Allerdings wurden nur 27 Prozent der Studienpatientinnen und -patienten in Coronavirus-freien Bereichen behandelt.

„Für die Wiederaufnahme geplanter chirurgischer Eingriffe aber auch für die sichere Durchführung dringlicher Operationen bei Krebspatienten ist es wichtig die Patienten zu schützen. Dafür ist die Einrichtung spezieller COVID-19-freier Krankenhausbereiche ein geeignetes Mittel, um sicherzustellen, dass Patienten, die wegen COVID-19 behandelt werden, nicht mit Patienten in Kontakt kommen, die beispielsweise vor einer Tumoroperation stehen“, betonte Prof. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Tübingen.

Die Studie mit dem Titel “Elective cancer surgery in COVID-19 free surgical pathways during the SARS-CoV-2 pandemic: An international, multicentre, comparative cohort study” wurde am 6. Oktober 2020 im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.

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