Surgical Tribune Germany

Regenerative Medizin in der Plastisch-Ästhetischen Chirurgie

By Priv.-Doz. Dr. med. Jan-Thorsten Schantz, Dr. med. Sebastian Dunda und Prof. Dr. Hans-Günther Machens
April 29, 2015

Innovative Therapieansätze aus dem Bereich der Regenerativen Medizin wie Knochen- oder Hautersatzmaterialien oder auch Zelltherapien gehören mittlerweile zu etablierten Behandlungsverfahren in der Plastischen Chirurgie. Auch in der Ästhetischen Chirurgie gibt es eine Vielzahl von therapeutischen Konzepten, die attraktive Behandlungsmöglichkeiten darstellen.

Hierbei sind neben äußerlichen Anwendungen wie das 'skin resurfacing' mittels CO2- oder YAG-Laser, chemischen Peelings wie mit Trichloressigsäure oder mechanischen Behandlungen wie Dermabrasio oder Microneedling im Sinne einer Kollageninduktionstherapie zahlreiche injizierbare Füllmaterialien und Techniken entwickelt worden, um kleinere Volumendefekte und Falten direkt zu behandeln. Bereits 1893 beschrieb der deutsche Chirurg Gustav Neuber die erfolgreiche operative Korrektur eines auffälligen Narbenbildes infraorbital mit gleichzeitigem Volumendefizit durch Fettkörper-Transplantation.[2] Im Folgenden sollen derzeit gängige Therapiemöglichkeiten dargestellt werden.

ZELLBASIERTE THERAPIEN

Autologe Fett-Transplantation (Lipofilling)
Die autologe Fett-Transplantation, das Lipofilling wie es heute durchgeführt wird, gewann jedoch erst an Bedeutung durch die Erstbeschreibung der Liposuktion durch Fischer und die Weiterentwicklungen durch Ilouz und Coleman.[3-4] Bei der reinen autologen Fett-Transplantation ist in erster Linie die Behandlung von Volumendefekten vorgesehen. Mögliche auto-regenerative Effekte durch die in dem entnommenen Fett befindlichen mesenchymalen Stammzellen, 'adipose-derived stem cells' (ASCs) und den im Lipoaspirat vorhandenen Wachstumsfaktoren sind hier zunächst von sekundärer Bedeutung.[5-6]
Gleichzeitig sei auch an dieser Stelle auf das noch nicht abschließend geklärte karzino-supportive Risiko von ASCs hingewiesen.[7-9]

ASCs-Therapie ('Stammzellen-Therapie')
Im Gegensatz zum reinen Lipofilling ist in der ASCs-Therapie der regenerative Effekt der 'adipose-derived stem cells' im Fokus der Therapie. Die transplantierten ASCs haben hierbei unter anderem einen anti-inflammatorischen Effekt durch die Hochregulierung von IL-10. Darüber hinaus werden auch verschiedene Wachstumsfaktoren wie VEGF aktiviert, welche die Differenzierung von ASCs und die Bildung von Endothelzellen stimulieren und zudem mittels Neovaskularisierung die Durchblutung des gesamten Umgebungsgewebes verbessern.[10-11]

Fibroblasten Therapie
In Kombination mit chirurgischen Verfahren des Facelifts werden autologe Zellsuspensionen zur Hautrejuvenation eingesetzt. Die Zellen haben dabei sowohl einen augmentativen Effekt und stimulieren zusätzlich die Kollagensynthese, so dass eine lang anhaltende Wirkung mit Verbesserung der Hautqualität neben der Straffung erreicht wird.

BIOAKTIVE FAKTOREN

PRP ('platelet-rich plasma')

Einen weiteren Ansatz mit dem Ziel der Hautverjüngung ist die Herstellung und Injektion von konzentriertem plättchenreichem Plasma. Dieses wird mittels Zentrifugation aus dem patienteneigenem Blut gewonnen und beinhaltet neben den Thrombozyten vor allem verschiedene Zytokine und Wachstumshormone. Hervorzuheben sind der 'plateled-derived growth factor' (PDGF), der die Chemotaxis von Fibroblasten aktiviert, die 'transforming growth factors α und β' (TGF-α und TGF-β), welche die Zellteilung der Fibroblasten, die Kollagensynthese und die Bildung von antibakteriellen Peptiden anregen oder der 'vascular endothelial growth factor' (VEGF), der die Bildung von Granulationsgeweben und Gefäßen fördert.[12-14] Das Wirkprinzip besteht nach Injektion in der Aktivierung von Fibroblasten, wodurch die Synthese von Kollagen und Elastin angeregt und hierdurch indirekt auch die Konzentration von Hyaluronsäure gesteigert wird. Entsprechend ist nach einer PRP-Therapie, ein verjüngtes Hautbild durch die sekundäre Volumenbildung zu erwarten.[15-16]
Eine weitere Entwicklung, die sich die autologen Effekte der Zytokine und Wachstumsfaktoren zu Nutze macht, ist EmaCure. Hierbei wird das entnommene Patientenserum unter hypoxischen Bedingungen konditioniert und dadurch eine noch höhere Konzentration und Aktivität der Faktoren erzielt.[17]

BIOAKTIVE BIOMATERIALIEN

Zur Korrektur von kleineren Volumendefekten und Falten werden auch bioaktive Biomaterialien verwendet und in biologisch abbaubare und langanhaltende, beziehungsweise permanente Füllmaterialien unterschieden. Permanente Filler wie Polyacrylamid oder Silikon haben häufig zu subkutanen, knotig verhärteten und schmerzhaften Granulomen geführt, die dann aus infektiösen oder ästhetischen Gründen operativ entfernt werden müssen. Ein weiterer Nachteil von permanenten sowie von langanhaltenden Füllmaterialien wie 'Poly-L-Milchsäure-Mikrosphären' (PLLA) ist das Risiko von nur bedingt korrigierbaren Überkorrekturen.
So ist der am häufigsten eingesetzte Filler nach wie vor die Hyaluronsäure, eine vom Körper resorbierbare Substanz mit ausgeprägter Wasserbindungskapazität, die je nach Indikation und Behandlungsziel in unterschiedlicher Quervernetzung und Viskosität eingesetzt wird. Doch auch in der Anwendung von Hyaluronsäure wurden vereinzelt Komplikationen beschrieben von allergischen Reaktionen mit massiver Schwellung über kleinere Granulombildungen bis hin zu Nekrosen und Blindheit nach versehentlicher intravaskulärer Injektion.[18-20]

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund der Zunahme der ästhetischen Behandlungen und der damit ebenfalls einhergehenden Expansion unterschiedlichster Behandlungsmethoden bedarf es grundlegender Studien, welche die Effizienz und Evidenz regenerativer Ansätze analysieren. Darüber hinaus wird der Ausbildung medizinischen Fachpersonals in diesem Bereich eine entscheidende Funktion zukommen, um Patienten sichere Therapien anbieten zu können. Die Prinzipien der Regenerativen Medizin und insbesondere das Anti Aging haben die faszinierende Möglichkeit, physiologischen Alterungsprozessen entgegen zu wirken. Vor diesem Hintergrund ist eine enge Verknüpfung von Chirurgie, Grundlagenwissenschaft, Medizinethik aber auch Gesundheitsökonomie von entscheidender Bedeutung.

Eine Literaturliste ist auf Anfrage erhältlich.

Dr. Jan-Thorsten Schantz und Prof. Dr. Hans-Günther Machens präsentieren das Thema „Regenerative Medizin im Kraniofazialen Bereich: Aktueller klinischer Stand und Ausblick zur wissenschaftlichen Entwicklung“ in einem Vortrag beim 132. DGCH-Kongress im Rahmen der Sitzung „Translationale Forschungsansätze in der plastischen Chirurgie – von VTA zum Tissue Engineering und zurück“ (30. April, 8.30 bis 10.00 Uhr, Saal 21).

Für weitere Informationen zum 132. DGCH-Kongress, klicken Sie hier.

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